Liebe Autorinnen und Autoren, das Projekt „The Transnational“ wird mit sofortiger Wirkung eingestellt. Vielen Dank an alle Unterstützerinnen und Unterstützer und weiterhin alles Gute für eure literarischen Ziele.


Siebte Ausgabe jetzt verfügbar!

The Transnational Ausgabe 7 kann ab sofort über BoD, Amazon oder Thalia bestellt werden.

The Transnational Ausgabe 7
Cover von Ausgabe 7 (Vorderseite)

Vielen Dank an die Autorinnen und Autoren:

Farina Graßmann, Nik Papageorgiou, Franziska Bauer, Michael Johann Bauer, Craig Czury, Thomas Davison, Lara Dolphin, Clive Donovan, Klaus Esterluß, Jay Frankston, Giorgi Ghambashi, Gergana Ghanbarian-Baleva, Gloria D Gonzalves, Rebecca Ruth Gould, Markus Grundtner, Yuan Hungri, Bray McDonald, Susi Menzel, Ivan de Monbrison, Richard Murphy, Marcus Nickel, Lance Nizami, Clara B Jones, Christine Kayser, Robert Keeler, Rohini Kottu, Olaf Lahayne, James G Piatt, Marlene Roeder, Gerard Sarnat, Helena Seide, Stephan Weiner.

 

Und ebenso vielen Dank an unsere großartigen Übersetzerinnen und Übersetzer:

Celine Kastner, Conor O'Loughlin, Isabelle Gore, Joseph Prestwich, Lisanne Windeln, René Kanzler, Rudolf Weiler

 



Vorstellung von Autoren und literarischen Werken

Wir stellen euch in regelmäßigen Abständen auch auf unserer Website Autoren/innen, die den Transnational unterstützen, mit einem ihrer Werke vor. Die vorgestellten Texte sind ausschließlich auf unserer Website zu finden. Weitere findet ihr in den kommenden Ausgaben des Transnationals.

Ausgewähltes Werk: Einen Senior/eine Seniorin adoptieren von Rudolf Weiler

Ist es so, dass das Leben von Vielbeschäftigten schneller zu Ende geht oder scheint es nur so?

Kindheit, Jugend und das Erwachsensein vergehen in Windeseile. Ein hyperaktives Leben lässt uns wenig Zeit, die letzte Phase unseres Daseins zu überdenken und zu planen.

Ins Rentenalter zu gelangen hat seine schönen Seiten, es gibt aber auch Schattenseiten und Enttäuschungen. Das “Retired Husband Syndrome” ist bestens bekannt und es ist frustrierend für beide Partner. Zuerst erlaubte ich mir gar nicht, an einen “Ruhestand” zudenken, aber ich machte Pläne und Witze darüber.

Ich arbeitete zwei Jahre über das Pensionierungsalter hinaus, dann gründete ich einen Ein-Mann-online-Verlag, fand aber bald heraus, dass dies meine Möglichkeiten überstieg. Darauf renovierte ich die Hälfte unseres grossen Hauses und arbeitete wie verrückt in unserem Garten. Alles umsonst.

Leider gelang es mir nicht, meine zwei Enkelkinder mehr als zwei oder dreimal im Jahr kurz zu sehen: grosse Enttäuschung. Reisen kommt aus verschiedenen Gründen nicht in Frage. Und Twitter und Facebook waren natürlich kein Ersatz für ein spärliches Sozialleben. Was nun? Da meine Frau sich über meine Hyperaktivität beklagte, suchte ich nach neuen Ideen.

Als Lehrer war ich während meines ganzen Berufslebens in Kontakt mit jungen Leuten. Nun traf ich zwei ältere Menschen, die beide schon in ihren späten Achtzigern waren. Beide sind total fit und aktiv. Tiefe Freundschaften entwickelten sich in kurzer Zeit zu beiden. Gemeinsame Interessen (Musik, Kunst) und Humor, den wir teilen, macht unser Leben angenehmer.

Die eine, unsere Nachbarin (88) lebt seit Jahrzehnten allein in ihrem Haus und Garten. Sie tätigt noch ihre Einkäufe und geht in die Stadt, um in die Oper, in Konzerte oder sogar an Generalversammlungen von Firmen zu gehen, bei denen sie Aktien hat. Zu gerne würde sie nochmals eine Kreuzfahrt buchen, aber allein macht es keinen Spass. Sie abhören, Kaffee trinken und etwas witzeln erheitert uns beide.

Der Künstler und Autor (86), den ich vor einigen Jahren kennenlernte, ist ein unglaublicher Zampanoo und ein kreatives Supertalent. Er sollte weltbekannt sein, aber muss heute sogar um etwa Anerkennung in seiner Heimat kämpfen. Er reiste intensiv und lebte unzählige Male im Ausland, malte und zeichnete Tausende von Kunstwerken im Stile von Pop-Art/Dada/Surrealismus und Symbolismus. Er schrieb den wohllängsten Schweizer Roman mit fast 2000 Seiten. Ihn adoptieren heisst, dass ich seine neuen Texte lektoriere und Papierkram für ihn erledige...
Beide leben ihr Leben nicht schmerzfrei, aber ohne sich zu beklagen. Ich adoptierte sie, wie man ein armes Kind in Afrika adoptieren kann. Beide sind nicht arm, aber auch nicht begütert.

Allgemein können wir sagen, wir können jeden Tag jemanden “adoptieren”, Fremde, Flüchtlinge, die Menschheit schliesslich.


Über den Autor:

Rudolf Weiler, Dr. phil. schrieb seine Doktorarbeit mit Begeisterung über Nabokovs Romane, veröffentlichte drei Sammlungen von Kurztexten und literaturkritische Arbeiten. Er arbeitete über 40 Jahre als Lehrer für deutsche, französische und englische Sprachen und Literaturen. Heute ist er online Autor, Blogger (www.rweiler.ch), Korrektor und Übersetzer. Er engagiert sich für die Grüne Partei, für klimagerechte Waldnutzung, Landwirtschaft, Menschenrechte und Demokratie.

Weitere literarische Werke findet ihr auf der Autoren und Werke Seite.